Freunde

Ekkehard Mantel
Jazz-Pianist und Bassist

Jazz-Duo never2late

Im folgenden gehe ich davon aus, daß keine Millionäre unter den Leserinnen sind. Geld sollte also eine Rolle spielen... Mittelformatkameras z.B. sind in der Regel recht teuer und zeigen, da sie auf Langlebigkeit hin konzipiert sind, eine erstaunliche Preisstabilität. Man muß in der Kamerahistorie also schon recht weit zurückgehen, will man ein Modell finden, das dem Motto der Seite "Photographie mit Anspruch" gerecht wird. Dies ist also kein Kaufratgeber für Neuware, sondern bezieht sich auf den umfangreichen Gebrauchtmarkt.

Meine Wunschkamera genügt den folgenden Kriterien (Reihenfolge beliebig):

Es ist klar, daß es die Kamera, die alle diese Kriterien erfüllt, nicht gibt; trotzdem habe ich diese Wunschkriterien als Entscheidungsgrundlage hinzugezogen, manche Modelle kommen dem Ideal schon recht nahe. Nicht zuletzt legt diese Wunschliste auch die Kriterien fest, denen Schnittbildindikator.de genügen will.

Die nähere Auswahl beruht auf den folgenden Überlegungen:

Streichen sie aus ihrem Gedächtnis bis auf wenige Ausnahmen Produkte der Firmen Leica, Rollei oder anderer Hersteller, die die Begierde von Sammlern auf sich ziehen; diese Kameras sind unzweifelhaft hochwertig und kommen einher mit überragenden optischen Qualitäten, allerdings sind sie umgeben von einem dermaßen übertriebenen Kult, daß selbst die ältesten Modelle nahezu unerschwinglich bleiben, wenn nicht dies, dann doch sehr überteuert gehandelt werden. Immerhin, falls man seiner Schwäche nachgeben muß und eine dieser Kameras kaufen möchte, hat man Chancen, ein gut erhaltenes Stück zu ergattern, da die Besitzer sie in der Regel ob ihres horrenden Wertes aus Angst vor Beschädigung in der Wohnzimmervitrine sicher konservierten oder sie von Sammlern gehalten wurden, die lediglich einmal alle paar Monate zur Beruhigung ihres Gewissens den Verschluß betätigten.

Neben den betörenden Namen in der Kamerawelt also, die für scheinbar unschlagbare Qualität stehen (und feucht werdende Augen mit sich bringen, weil man sie sich niemals leisten kann), gibt es eine Menge anderer Hersteller, die ebenfalls gute Geräte und Objektive hergestellt haben. Immer wieder zeigen Vergleichstests, daß die Unterschiede zwischen den sehr teuren und den vergleichsweise günstigen Objektiven bisweilen recht bescheiden ausfallen.

Gemäß einer Statistik, die im "The Amateur Photographer's Handbook" von Sussmann (1973, 115p) angegeben ist, sind nahezu 80% der preisgekrönten Photos mit dem Normalobjektiv aufgenommen worden. Dies mag sich seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts etwas geändert haben, aber falls man persönlich für den Anfang auf auswechselbare Objektive verzichten kann, ist man in guter Gesellschaft und gleichzeitig in der Lage, die Ausgaben drastisch zu senken, zumal das Normalobjektiv noch dazu mit Abstand das billigste von allen Objektiven ist (und in der Regel das lichtstärkste).

Ähnliche Überlegungen gelten für die Lichtstärke. Fast 90% der Photos der obigen Statistik wurden mit einer Öffnung von 3.5 oder größer aufgenommen, d.h. auch hier muß man nicht auf das letzte Lichtquant Rücksicht nehmen, sondern mag sich mit einer Lichtstärke von 2.8 oder auch weniger zufrieden geben. Zugegeben, ein lichtstärkeres Objektiv eröffnet einem in manchen Situationen neue Möglichkeiten, aber man darf eben nie den Preis vergessen, den man für diesen Komfort bezahlen muß. Ein leichtes Stativ vermag bisweilen die fehlende Öffnung hinreichend zu kompensieren.

Es gab Zeiten, da war es schick, die Qualität eines Produktes durch überschwänglichen Materialeinsatz zu betonen – ganz im Gegensatz zu unserem Plastikzeitalter. Man nehme hierzu am besten einmal die Yashica Lync 14(E) in die Hand, die so massiv geraten ist, daß man im ersten Augenblick anzunehmen geneigt ist, man sei geschrumpft! Viele der alten Kameras haben daher einen ziemlich langen Atem und sind auch heute noch funktionsfähig, wenn vielleicht auch das eine oder andere gerichtet werden muß. Trotzdem sollte es nicht schwer sein, von den unten aufgeführten Arten immer auch eine zu finden, die direkt so, wie sie der Postbote zustellt, verwendet werden kann.

Bei vielen alten Modellen funktioniert der Belichtungsmesser nicht mehr richtig oder genügt heutigen Ansprüchen nur noch bedingt. Das sollte allerdings kein Hindernis sein, ein solches Exemplar zu kaufen, denn über kurz oder lang ist es, zumindest nach meinem Dafürhalten, angesagt, sich einen Handbelichtungsmesser zuzulegen. Die sind universeller einsetzbar, haben in der Regel einen größeren Meßbereich und sind gegenüber alten Modellen oft genauer. Ganz im Gegensatz zu integrierten Belichtungsmessern verstehen sie sich auch auf die Lichtmessung. Als Brillenträger fand ich zudem immer sehr angenehm, für den Akt des Messens nicht permanent durch die Kamera starren zu müssen.