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Zusammenfassung
Agfa Isolette III
Agfa Isolette III
Autor: Christian Faulhammer
Lizenz: Creative Commons

Die Isolette III gehört zu einer ganzen Gruppe von Mittelformat-Klappkameras der Firma Agfa. Wenn hier gerade die Isolette III empfohlen wird, dann deswegen, weil sie zu ihren Vorgängermodellen einen (nicht gekuppelten) Entfernungsmesser hat und unter einigen anderen Varianten auch mit dem außergewöhnlichen Solinar-Objektiv (75 mm, 1:3.5) in Kombination mit einem "Prontor SVS"- oder "Synchro-Compur MX(V)"-Verschluß ausgeliefert wurde. Bildsucher und Entfernungsmesser sind kombiniert, aber man muß die ermittelte Entfernung mit der Hand auf die Objektiv-Fokussierung übertragen, was immerhin eine Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen darstellt, bei denen die Entfernung ganz einfach geschätzt wird. Für den nordamerikanischen Markt wurde die Isolette III unter dem Label Ansco Speedex Special "R" vertrieben.

Nach der Isolette III wurden noch andere Klappkameras von Agfa hergestellt, von denen hier insbesondere die Super Isolette (in Nordamerika die ANSCO Super Speedex) erwähnt sei, die nun einen gekuppelten Entfernungsmesser besitzt und die einige für die ausgefeilteste Mittelformat-Klappkamera halten, die je hergestellt wurde.

Die oben vorgestellten Klappkameras sind für das 6x6-Format gebaut worden. Interessant ist auch die ebenfalls sehr hochwertige Record III mit Solinar für das 6x9-Panoramaformat, die aber in ähnlichen Objektiv-Verschluß-Kombinationen wie die Isolette auf den Markt gebracht wurde.

Zum Teil läßt weder die Benennung noch die ergänzende Serienbezeichnung (Isolette I, II, III, (Billy) Record II, III usw.) einen sicheren Rückschluß auf die Ausstattung und die Merkmale der Kamera zu. Hier nur einige Angaben zu den verbauten Objektiven und Verschlüssen, die in zahlreichen Kombinationen anzutreffen sind:

Objektive:

  1. Agnar – 85 mm, 1:4,5: 3-linsig; Einstiegsklasse.
  2. Apotar und Color-Apotar – 85 mm, 1:4.5: deutlich besser als Agnar, 3-linsig. Von 1950 an wurden alle Oberflächen eines Objektivs vergütet. Es wird am besten im Blendenbereich F8 bis F16 verwendet; darunter und darüber ist das Auflösungsvermögen unbefriedigend.
    Filter: 30 mm-Aufsteckfilter und -sonnenblende (A30)
  3. Solinar – 85 mm, 1:4.5 und 75 mm, 1:3.5: Spitzenobjektiv nicht nur relativ zum Agnar und Apotar, sondern auch für heutige Ansprüche. Von 1950 an wurden alle Oberflächen eines Objektivs vergütet.
    Filter: 30 mm-Aufsteckfilter und -sonnenblende A30, in manchen Fällen A32. Bitte beachten: Die Original-Sonnenblende A30 führt bei dem 75 mm-Objektiv zu einer störenden Vignettierung.

Verschlüsse:

  1. Vario – B, 1/25, 1/75, 1/200
    ohne Selbstauslöser.
  2. Vario – B, 1/25, 1/50, 1/200
    ohne Selbstauslöser.
  3. Pronto – B, 1/25, 1/50, 1/100, 1/200
    mit Selbstauslöser.
  4. Prontor-S – B, 1/1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/300
    mit Selbstauslöser.
  5. Prontor-SV – B, 1/1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/300
    mit Selbstauslöser.
  6. Prontor-SVS – B, 1/1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/300
    mit Selbstauslöser.
  7. Compur – T, B, 1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/300
    kein Selbstauslöser.
  8. Compur Rapid – T, B, 1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/250, 1/500
    Identisch mit dem Compur bis auf die zusätzliche 1/500 Sekunde.
  9. Synchro-Compur MX – B, 1, 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/250, 1/500
    M ermöglicht die Blitzsynchronisation mit Magnesium-Blitzbirnen; X ermöglicht die Synchronisation mit modernen elektronischen Blitzgeräten bei jeder Verschlußzeit; kein Selbstauslöser.
  10. Synchro-Compur MXV – B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500
    V steht hier für Vorlauf von max. 10 Sekunden, d.h. es wurde ein Selbstauslöser integriert.

Bei den frühen Compur-Verschlüssen, sollte die schnellste Verschlußzeit eingestellt werden, bevor der Verschluß gespannt wird, da sonst der Verschluß beschädigt werden kann.

Gemäß Jurgen Kreckel, der viele alte Klappkameras repariert hat, sind die Prontors die zuverlässigsten Verschlüsse gefolgt vom Compur, dann Compur Rapid und am Ende (obwohl der aufwendigste der aufgezählten Verschlüsse) Synchro-Compur.

Auch die Synchro-Compur-Verschlüsse erreichen die 1/500 Sekunde nicht, obwohl man sie einstellen kann! Gemäß meiner eigenen Messungen schaffen sie tatsächlich nicht mehr als 1/350.

Beurteilung der Abbildungsleistung:

Persönlich gefällt mir das Solinar (75 mm, 1:3.5) sogar besser als das Xenar (75 mm, 1:3.5), das z.B. in den Rolleicords verbaut wurde. Wie es heißt, wurde das neu berechnete Solinar mit 75 mmm auch als direkte Konkurrenz zum Xenar von Schneider-Kreuznach und zum Tessar von Carl Zeiss entworfen und steht ihnen in nichts nach.

Schwachstellen, gängige Reparaturmaßnahmen, beim Gebrauchtkauf zu beachten:

Der Balgen bedarf einer genaueren Prüfung. Gerade die erste Generation der Modelle Agfa Isolette II und Agfa Isolette III sind bekannt für ihre schlechten Balgen (hochglänzende Kunststoffbalgen von minderer Qualität). Bei ihnen muß er mit hoher Wahrscheinlichkeit getauscht werden. Weiterhin kann der Verschluß verharzt sein, so daß die langen Zeiten nicht stimmen. Bei den Modellen mit nicht-gekuppeltem Entfernungsmesser sollte die Entfernungseinstellung am Objektiv ohne sonderlichen Kraftaufwand möglich sein, auch wenn bei niedrigen Temperaturen die Mechanik ruhig etwas schwergängiger sein darf.

Gebrauchtpreis:

Gut erhalten kostet eine Agfa Isolette III mit 1:3.5 Solinar etwa 200 Euro.

Literatur und Links:

Zu Mittelformat-Klappkameras

Agfa-Klappkameras

Reparatur von Agfa-Klappkameras

  • Allgemeine Reparaturhinweise (Englisch)
  • Spezielle Problemstellungen bei Reparatur und Wartung (Englisch)